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Bulgarien baut Straßen im Wert von 2,5 Mrd. Euro

Tender für "Trakia"-Autobahn noch 2009 / "Maritza" und "Struma" folgen 2010 und 2011 / Von Annika Pattberg

Bukarest (gtai) - Bulgarien plant Straßenbau-Projekte mit einem Gesamtwert von 2,5 Mrd. Euro. Die vor wenigen Wochen neu gewählte Regierung hat vor kurzem ihren Zeitplan für die Infrastruktur-Projekte vorgestellt. Top-Priorität genießt bei der noch jungen Regierung die Autobahn "Trakia", die von Westen nach Osten verläuft. Im Jahr 2009 sollen noch mindestens zwei Teilabschnitte des Highways ausgeschrieben werden. Für deutsche Ingenieurbüros, Consulting- und Bauunternehmen ergeben sich dadurch gute Chancen. (Kontaktanschriften)

In dem kleinen Balkanstaat Bulgarien haben die Autobahnen nicht nur Nummern, sondern auch Namen. Die drei wichtigsten Autobahnen, über die derzeit ganz Bulgarien spricht, heißen "Trakia", "Maritza" und "Struma". Die Streckenverläufe der drei Trassen stehen bereits seit Jahren fest. "Trakia" soll von der bulgarisch-serbischen Grenze über Sofia nach Burgas am Schwarzen Meer verlaufen und somit eine West-Ost-Verbindung ermöglichen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird die Autobahn um 100 km in nördliche Richtung verlängert. Sie wird dann die wichtigen Schwarzmeer-Hafenstädte Burgas und Warna (Varna) verbinden.

Abgehend von der "Trakia"-Trasse wird die Autobahn "Maritza" von der Landesmitte nach Südosten in Richtung Türkei verlaufen. Die "Struma"-Autobahn soll von der Hauptstadt Sofia nach Süden, also Richtung Griechenland führen.

Kosten und Finanzierung der Straßenbauprojekte in Bulgarien bis 2020

Projekte Finanzierung Periode Wert (M. EUR)
vier Autobahnen (Trakia, Maritza, Struma, Hemus); drei Nationalstraßen OP "Transport" (80%), Staat (20%) bis 2013/2015 990
Nationalstraßen OP "Regionale Entwicklung", Staat bis 2013/2015 255
Autobahnen, Nationalstraßen EU-Gelder der Periode 2014-2020, Staat bis 2020/2022 1.300
Summe

2.545

OP = Operationelles Programm
Quelle: NAPI (Stand: 23.09.2009)

Für die Finanzierung stehen seit 2007 EU-Fördermittel bereit. Doch genau wie im EU-Nachbarland Rumänien kam der bulgarische Autobahnbau bisher kaum vorwärts. Mal dauerten Enteignungsprozeduren länger als erwartet, mal fehlten notwendige Berichte zur Umweltverträglichkeit. Außerdem führten Vorwürfe der Vetternwirtschaft, Skandale um EU-Fördergelder sowie die Diskriminierung ausländischer Firmen bisher dazu, dass Ausschreibungen annulliert werden mussten und sich die Projektabläufe verzögerten.

Die neue Regierung scheint sich dem Thema Autobahnbau nun mit neuer Energie zu widmen. Sie veröffentlichte vor wenigen Tagen auf der Internetseite der Nationalen Agentur "Straßeninfrastruktur" eine 36-seitige Präsentation mit aktuellen Straßenbau-Projekten. Der Wert aller geplanten Straßenbau-Vorhaben beträgt stolze 2,545 Mrd. Euro. Davon sollen 1,245 Mrd. Euro über zwei aktuelle EU-Fördertöpfe finanziert werden, 990 Mio. Euro über das Operationelle Programm "Transport" und 255 Mio. Euro über das Operationelle Programm "Regionale Entwicklung". In beiden Fällen handelt es sich um Gelder der Förderperiode 2007-2013, die bis 2013 beantragt und bis 2015 abgerufen werden müssen.

Da der Nachholbedarf auf dem Balkan gewaltig ist, reichen diese Fördermittel für die notwendigen Arbeiten längst nicht aus. Bereits in der Pipeline haben die Bulgaren weitere Straßenprojekte mit einem Wert von 1,3 Mrd. Euro. Diese sollen in der Förderperiode 2014 bis 2020 angegangen werden. Voraussetzung für den Fluss der EU-Gelder ist selbstverständlich, dass die Bulgaren verantwortungsbewusst und transparent haushalten.

Bulgarien: Geplante Ausschreibungen für Autobahn-Bauausführungen (Auswahl)

Autobahn ausstehend (km) Wert (Mio. Euro)
"Trakia" (Korridor VIII) 115,2 350
"Maritza" (Korridor IV) 66,4 209
"Struma" (Korridor IV-C) 127,0 231 *)
Korridor IV-Teilstück (Verbindung "Hemus"-Autobahn / Sofioter Ring) 8,5 32
Gesamt 317,1 822

*) ohne Los 3 (Blagoevgrad-Sandanski);

Quelle: NAPI (Stand: 23.09.2009)

Absolute Priorität genießt nach dem neuen Plan die "Trakia"-Autobahn, welche Teil des paneuropäischen Verkehrskorridors VIII ist. Die Abschnitte Stara Zagora - Nova Zagora (31,8 km) sowie Nova Zagora - Jambol (35,7 km) sollen noch im Herbst 2009 ausgeschrieben werden. Beide Teilabschnitte hatten früher schon mal zur Disposition gestanden. Die Verfahren waren aber aufgrund eines Klageverfahrens eines ausländischen Tender-Teilnehmers annulliert worden. Im Winter 2009/2010 wird ein dritter Tender für die Bauausführung des Abschnitts Jambol-Karnobat erwartet.

Außerdem stehen noch die Ausschreibungen für die Bauüberwachung der drei "Trakia"-Teilstücke aus. Ebenfalls an erfahrene Ingenieurbüros werden sich Tender richten, in denen es um die Planung, Terminüberwachung, Genehmigung und Ausschreibung der drei Autobahnen "Maritza", "Struma" und "Hemus" gehen wird. Diese Tender werden im Winter 2009/2010 oder im Frühling 2010 veröffentlicht und dürften deutsche Consultants besonders interessieren.

Ausstehende Ausschreibungen: Autobahn "Trakia" (3 Lose)

Streckenabschnitt Termin für Ausschreibung Länge (km) Wert (Mio. Euro)
Stara Zagora-Nova Zagora Herbst 2009 31,8 96
Nova Zagora-Jambol (Yambol) Herbst 2009 35,7 108
Jambol (Yambol)-Karnobat Winter 2009/2010 47,7 146
Gesamt
115,2 350

Quelle: NAPI (Stand: 23.09.2009)

Im Herbst 2010 sollen vier Ausschreibungen für die Bauausführung der Autobahn "Maritza" folgen. Die vier Teilstücke haben eine Länge von insgesamt rund 66,4 km und einen Gesamtwert in Höhe von 209 Mio. Euro.

Ausstehende Ausschreibungen: Autobahn "Maritza" (4 Lose)

Streckenabschnitt Termin für Ausschreibung Länge (km) Wert (Mio. Euro)
Orizovo-Dimitrovgrad Herbst 2010 31,4 104
Dimitrovgrad-Uzundzhovo Herbst 2010 12,6 38
Uzundzhovo-Polyanovo Herbst 2010 11,7 35
Polyanovo-Harmanli Herbst 2010 10,7 32
Gesamt
66,4 209

Quelle: NAPI (Stand: 23.09.2009)

Die Tender für die Bauausführung von drei Teilstücken der Autobahn "Struma" werden dem aktuellen Zeitplan nach im Jahr 2011 stattfinden. Die Bauausführung des Abschnitts Blagoevgrad - Sandanski (Los 3) wird hingegen erst nach 2013 ausgeschrieben werden, also in der neuen Förderperiode. Dieser insgesamt 61 km lange Abschnitt wird in die Teilsegmente Blagoevgrad-Krupnik, Krupnik-Kresna und Kresna-Sandanski unterteilt. Zunächst stehen Tender für drei Machbarkeitsstudien an. Der mittlere Abschnitt führt auf 4 km über Brücken und auf 16 km durch Tunnel und wird daher besonders kostspielig sein. Allein die Machbarkeitsstudie für dieses mittlere Teilsegment dürfte nach NAPI-Angaben 20 Mio. Lewa (rund 10 Mio. Euro) kosten. Dieser Auftrag könnte für deutsche Consultants von besonderem Interesse sein.

Ausstehende Ausschreibungen: Autobahn "Struma" (4 Lose)

Streckenabschnitt Termin für Ausschreibung Länge (km) Wert (Mio. Euro)
Dolna Dikania-Dupnitsa Bauausführung: Herbst 2011 16,8 59
Dupnitsa-Blagoevgrad Machbarkeitsstudie: Herbst 2009Bauausführung: Frühling 2011 34 119
Blagoevgrad-Sandanski Ausstehend: Tender für 3 Machbarkeitsstudien 61 k.A.
Sandanski-Marikostinovo Bauausführung: Frühling 2011 15 53
Gesamt (-) 127 231 *

*) ohne Los 3 (Blagoevgrad-Sandanski);

Quelle: NAPI; Stand: 15.09.2009

Desweiteren steht noch der Tender für die Bauausführung eines 8,5 km kleinen Straßenabschnitts bei Sofia aus. Das Verbindungsstück zwischen der "Hemus"-Autobahn und dem Sofioter Ring soll im Frühjahr 2010 ausgeschrieben werden.

Es ist das erste Mal, dass die Nationale Agentur "Straßeninfrastruktur" (NAPI) einen derart ausführlichen Ausschreibungskalender im Internet veröffentlicht hat. Der 36-seitige Plan ist auch in englischer Sprache auf der Internetseite der Agentur abrufbar. Auch das gesamte englischsprachige Internetangebot der Behörde hat sich erheblich verbessert. Interessierte Unternehmen können die einzelnen Straßenvorhaben nun auf Karten genau nachvollziehen.

Aufgrund von zahlreichen Missbrauch-Vorwürfen und Skandalen war es in der Vergangenheit zu häufigen Wechseln der Geschäftsführung der bulgarischen Behörde gekommen. Auch nach den bulgarischen Parlamentswahlen vor wenigen Wochen mussten mehrere leitende Personen der NAPI ihren Arbeitsplatz räumen, darunter der frühere geschäftsführende Direktor der Straßenbauagentur, Yanko Yankov, sowie die beiden Stellvertreter Asen Antov und Hristo Slavchev. Neuer geschäftsführender Direktor ist Dimitar Ivanov, ehemaliger Bulgarien-Chef von Strabag. Neuer stellvertretender Direktor ist der deutsche Verkehrsexperte Claus-Dieter Stolle, der die Nationale Agentur bereits seit Oktober 2008 berät.

Die Verantwortung für die Straßenprojekte hat neuerdings nicht mehr das Transportministerium, sondern das Ministerium für Regionalentwicklung und Bauwirtschaft. Dessen neuer Minister, Rosen Plevneliev, ist viele Jahre für das deutsche Bau-Unternehmen Lindner in Deutschland und Bulgarien tätig gewesen und spricht Deutsch. Sein Ministerium soll laut einem Bericht des Bulgarischen Wirtschaftsblatts bereits eine Arbeitsgruppe Autobahnen geschaffen haben.

Weitere Straßenprojekte (Auswahl)

Projekt/Verbindung Termin für Ausschreibung Länge (km) Wert (Mio. Euro)
Korridor IV-Teilstück (Hemus-Autobahn / Verbindung zum Sofioter Ring) Frühling 2010 8,5 32
Kardzhali-Podkova Herbst 2010 32 32

Quelle: NAPI; Stand: 23.09.09

Die Ausschreibungen für Großprojekte erfolgen im europäischen Gesetzblatt (http://ted.europa.eu), im nationalen bulgarischen Gesetzblatt "Darzhaven vestnik" (http://dv.parliament.bg) und auf der Internetseite der Nationalen Agentur "Straßeninfrastruktur" (www.napi.government.bg). Ausgewählte Ausschreibungen veröffentlicht Germany Trade and Invest (www.gtai.de Rubrik: Datenbank-Recherche, Ausschreibungen).


Kontaktanschriften und Internetlinks

Nationale Agentur "Straßeninfrastruktur"

Geschäftsführender Direktor: Dimitar Ivanov

Stellvertretender Direktor: Claus-Dieter Stolle

Macedonia Blvd. 3, 1606 Sofia, Bulgarien

Tel. 00359 2/91 73 32 72, 00359 2/952 12 62

Internet: www.napi.government.bg

NAPI-Präsentation mit Straßenbau-Projekten bis 2020 (auf Englisch):

http://www.napi.government.bg/galeriabg.php?gr=4&=&P=23&SP=60

Datenbank mit weiteren Infrastrukturprojekten in Bulgarien:

http://www.gtai.de/DE/Content/__SharedDocs/Links-Datenbankabfragen/mkt-bulgarien-integrator.html

(A.P.)


bereitgestellt durch:

Germany Trade and Invest
Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH

Agrippastraße 87–93
50676 Köln
Germany
T. +49 (0)221 2057-0
F. +49 (0)221 2057-212
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Internet: www.gtai.de